Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum

Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum

 

Der Apfel fällt nicht weit vom BirnbaumFriedericke Godel

Gerhard Klotz, der größte Obstbauer im Bühlertal, versäumt es in seiner Sturheit, seinen Betrieb den Markterfordernissen anzupassen. Er tyrannisiert seine Familie und seine Landarbeiter mit seiner unbeugsamen Härte. Sein ältester Sohn Tobias verlässt nach einem heftigen Streit und der Uneinsichtigkeit des Vaters von einem Tag zum anderen das Gut. Den jüngsten Sohn Klaus, den Gerhard ohnehin nicht leiden kann, weil er das Klavier der Landwirtschaft vorzieht, verjagt er erbarmungslos. Auch die Bäuerin lässt Gerhard einfach im Stich, als diese schwer erkrankt.

Eine turbulente Geschichte um eine Familie, die einen Weg zwischen der Tradition und der Moderne suchen und finden muss. Dabei beleuchten die Turbulenzen und Geschehnisse rund um das Obstgut auch das dörfliche Leben, und natürlich kommen auch die Romantik und die Liebe nicht zu kurz.
E-Book ISBN 978-3-740706579     1,99 €
überall im Handel

 

 

 

 


Leseprobe

„Entschuldige, habe ich dir weh getan?“, fragte er auf hochdeutsch, und Jutta glaubte, ein leises Lispeln gehört zu haben.
„Noi, s′isch nix“, antwortete sie und lief so rot an wie eine Tomate in der strahlenden Mittagssonne.
Hans musste lächeln, er hatte ehrlich gesagt nicht viel verstanden und es störte ihn auch nicht. Nun wurde auch Jutta bewusst, dass sie aus Gewohnheit in den breiten Dialekt verfallen war und sich überhaupt keine Mühe gegeben hatte, vernünftig zu reden.
„Darf ich dich zu einem Spaziergang einladen?“, wollte Hans spontan von ihr wissen, als sie gemeinsam den Laden verließen und auf die Straße traten. Jutta wurde verlegen, sie sollte sich ja in Kürze verloben, und es schickte sich nicht, mit einem anderen Mann spazieren zu gehen.
Andererseits war das Angebot so verlockend, dass sie es schon gerne angenommen hätte. Was war denn schon dabei, sie tat ja nichts Unanständiges.
Doch sie wusste, dass das Risiko groß war, gesehen zu werden, und dass sich ihr
Bräutigam brüskiert fühlen konnte.
Dennoch verabredete sie sich mit Hans für den Nachmittag hinter dem Blockhaus seiner Eltern, sie konnte einfach nicht anders. Sie machten einen ausgedehnten Spaziergang durch die Felder und wanderten lange Zeit am Waldrand entlang. Dabei unterhielten sie sich angeregt und Jutta lauschte seinen spannenden Erzählungen.
So viele bunte Erlebnisse aus der Stadt, die sie sich nicht hatte vorstellen können und die sie immer wieder zum Lachen brachten! Hans sah in ihr glückliches Gesicht und in ihre strahlenden, funkelnden Augen. Er hätte sie am liebsten umarmt, aber er wollte sie nicht erschrecken.
„Ich muss nach Hause“, sagte sie plötzlich aus heiterem Himmel, mitten in die verzauberte Stimmung hinein.
„Ja“, antwortete Hans verständnisvoll. Ganz sacht zog er sie an sich und küsste sie zart und zurückhaltend. Er wusste, dass es ein Abschied war.
Sie hatte ihm zuvor erzählt, dass sie heiraten würde, und er spürte, dass es aussichtslos war, sie umzustimmen. Es war Liebe auf den ersten Blick, doch das zarte Pflänzlein wurde im Keim erstickt. Jutta lief traurig nach Hause; zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie das Gefühl der Liebe entdeckt. Sie spürte das Kribbeln und die Sehnsucht, und das nur wenige Minuten nach ihrem wortlosen Abschied.

 

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.