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Jesus reicht’s

Jesus reicht'sJesus reicht’s – Barbara Herrmann

Schon seit zweitausend Jahren sieht Jesus dem Treiben der Menschen auf der Erde zu. Doch langsam reißt ihm der Geduldsfaden. Mit großem Aufwand hatte er damals seinen Jüngern gelehrt, was sie predigen und verkünden sollen, aber das Personal wird immer schlechter, und mittlerweile laufen ihm die Schäfchen in Scharen davon.

So entschließt er sich, fünf erfahrende Jünger auf die Erde zu schicken, um dem Treiben Einhalt zu gebieten. Doch Markus, Matthäus, Lukas, Paulus und Judas rauschen von einem Abenteuer ins nächste, denn sie haben durch ihre Arbeit im Himmel keinen blassen Schimmer von der Welt von heute. Jesus’ Sekretärin Tabea kommt schließlich die rettende Idee …

E-Book – ISBN 9783740706395 Amazon.de sowie Thalia.de und viele weitere Shops  3,99 €

Buchtrailer

 

Leseprobe

Jesus saß an seinem Schreibtisch und traute seinen Augen nicht. Er beugte sich leicht nach vorne, um besser aus dem Fenster sehen zu können. Mit seinem Blick durchdrang er die dichte Wolkendecke und verfolgte lange das Geschehen in der Friedrichstraße nahe dem Brandenburger Tor in Berlin. Vor einer eleganten Bar stand ein Pärchen, das lautstark einen Streit ausfocht.

„Wie schlimm bist du denn?“, rief die attraktive blonde Frau ihrem Partner wild gestikulierend zu. „Du schleppst mich in eine Bar, um mit mir einen schönen Abend zu verbringen, und was machst du?“

„Ich habe doch gar nichts gemacht, ich fand das unterhaltsam und dachte, dir gefällt das auch“, versuchte Filippo seine Frau zu beruhigen.

„Du bist ein Scheißkerl, du wolltest nur hierher, um nackte Frauen anzuschauen!“, schrie sie.

„Aber nein, die sind ja nicht nackt, die haben doch alle was an! Zugegeben, etwas wenig, aber ich schwöre, das wusste ich nicht. Mein Kollege Jonas hat mir die Bar empfohlen und gesagt, dass es ein exklusiver Laden sei.“ Filippo nahm ihre Hände und hielt sie dabei auch mit seinen Augen fest. „Beruhige dich doch, ich wollte dich ja nicht brüskieren. Ich habe es wirklich nur auf Empfehlung ausgesucht.“

„Ich glaube dir das nicht, du hast die Frauen ja regelrecht angestiert und sie mit deinem Blick ausgezogen.“

Jesus konnte das nicht mehr mit ansehen. Er bekam ganz hektische Flecken im Gesicht. „Matthäus!“, rief er laut. „Matthäus, du bist doch in Berlin. Geh bitte zur Friedrichstraße, da steht ein Ehepaar vor einer Bar und streitet aus Eifersucht. Hilf ihnen, ihre Gedanken zu sortieren und auf den rechten Weg zu kommen. Es fehlt gerade noch, dass sie sich trennen.“

Matthäus stöhnte, als er das hörte. Er dachte eigentlich, dass er seine Aufgabe inzwischen erledigt hatte und wieder zurück in den Himmel könnte. Er fühlte sich beileibe nicht wohl in der pulsierenden Großstadt, er kannte das alles nicht. Es war schließlich ein paar Tausend Jahre her, dass er als Prediger eingesetzt war. Damals waren die Leute viel bescheidener, sprachen nicht so schnell und dachten nach, wenn er ihnen etwas erzählte. Es war nicht so hell und grell und auch nicht so laut. Solche Kerzen am Wegesrand hatte er noch nie gesehen, die hingen ja an einer Stange und hatten gar keinen Docht. Dabei waren sie riesengroß, und selbst der Wind konnte sie nicht ausblasen. Da waren auch noch diese monströsen Fahrgestelle, die da laut und schnell vorbeirauschten. Ein Glück, dass er noch nicht überrollt wurde. Wo nur die guten alten Holzkarren waren? Und jetzt auch noch das!

„Herr, ich kann das nicht. Ich bin nicht richtig hier! Ich muss nach Hause, das ist nichts für mich“, flehte Matthäus. „Herr, tu mir das nicht an. Ich bin alt.“

„Ach was, du kannst das. Du bist einer meiner Jünger, den ich damals losgeschickt habe, um von mir und meiner Botschaft zu erzählen.“

Inzwischen war Jesus’ Sekretärin Tabea hereingekommen und brachte ihm eine Tasse grünen Tee, den er so liebte. Er nahm einen kleinen Schluck und sah, wie Matthäus um die Ecke kam und direkt auf das Pärchen zuging. Er hatte gewusst, dass Matthäus folgsam sein würde.

Als dieser vor dem Ehepaar stand, erhob er den Zeigefinger. „Ihr habt doch gehört: Du sollst nicht ehebrechen! Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.“ (Mt 5, 27-28)

Filippo fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. Vor ihm stand ein bärtiger alter Mann, der eine braune Kutte und Sandalen trug. Seine Haare waren weiß, lang und struppig. Voller Ernst sprach dieser wirres Zeug von Ehebruch. Und was sollten sie gehört haben? Er wusste von nichts. Der Alte hatte ihm gerade noch gefehlt. „Was mischt du dich hier ein, alter Mann?“, fragte er ungehalten.

 

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