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Die verlorenen Weihnachtskugeln

Die verlorenen Weihnachtskugeln

Die verlorenen WeihnachtskugelnBarbara Herrmann

Nach dem Tod seiner Mutter beschließt Daniel Gruber, als Meteorologe in sein Heimatdorf im Salzburger Land zurückzukehren. Sein Sohn Julian entdeckt auf dem Speicher in Daniels Elternhaus eine Kiste mit Weihnachtskugeln, die ihn sofort in ihren Bann ziehen.

Daraufhin erzählt ihm die Nachbarin Greta die Geschichte von zwei Waisenkindern, die von ihrem Onkel ausgebeutet und schikaniert wurden und in ihrer Verzweiflung zusammen mit den Schwabenkindern über die Alpen wanderten, um Arbeit zu finden. Schweren Herzens mussten sie die geliebten Weihnachtskugeln, die sich schon seit Generationen in der Familie befanden, zurücklassen …

Eine bewegende und mystische Weihnachtsgeschichte über eine Bergbauernfamilie im frühen 20. Jahrhundert.

ISBN 978-3740716097 (Print)  7,99 €
ISBN 978-3740755638 (E-Book) 3,99 €
Erhältlich in jeder Buchhandlung und im Online-Buchhandel.

Leseprobe:

Greta schaute zuerst aus dem Fenster, dann fasste sie Sofia am Arm. »Du wolltest doch eine Geschichte hören. Ich weiß eine, in der es zufällig um Weihnachtskugeln geht. Also ist das auch was für Julian, der heute die Kiste mit den Kugeln gefunden hat.«

»Ist das eine schöne Geschichte?«, fragte Sofia zweifelnd.

Greta ging erst einmal nicht auf die Frage ein, sondern wandte sich an Julian. »Läufst du mal schnell rüber und holst uns die Schatulle mit den Weihnachtskugeln?«

Er stand sofort auf. »Mach ich.«

Nur wenige Minuten später kam er zurück und stellte die Kiste auf den Wohnzimmertisch. Dann setzte er sich wieder zu den beiden anderen.

»Es ist eine traurige und zugleich auch schöne Geschichte. Außerdem ist es ein zu Herzen gehendes, wahres Ereignis aus unserem Dorf, das schon seit mehreren Jahrzehnten allen Kindern immer wieder zur Weihnachtszeit erzählt wird, weil darin die Nächstenliebe und die Barmherzigkeit eine große Rolle spielen«, erklärte Greta und strich sich mit der rechten Hand über die Wange.

»Ist das die Geschichte vom Jesuskind?«, überlegte Julian laut. Die würde er jetzt wirklich langweilig finden, weil er sie natürlich schon kannte. Sie wurde nämlich immer an Heiligabend von seiner Mama vorgelesen. Aber das konnte eigentlich gar nicht sein. Greta sprach ja von einer wahren Geschichte aus dem Dorf, und das Jesuskind hatte nicht hier gelebt, sondern in Jerusalem.

»Nein, natürlich nicht. Ich erzähle euch doch nicht mitten im Sommer die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel«, erklärte Greta, lachte laut und zwinkerte ihnen zu. Währenddessen rückte sie mithilfe der Kinder ihren Sessel näher ans Fenster und schickte die beiden zum Sofa, um ein paar weiche Kissen zu holen, damit sie sich vor ihr auf den Boden setzen und gleichzeitig auch aus dem Fenster schauen konnten.

Als endlich alle Vorbereitungen getroffen waren, blickte Greta durch ihre Brille in vier neugierige, große Augen zu ihren Füßen. »Mein Gott, ist das alles lange her«, flüsterte sie. »Gib mir bitte mal die Schatulle mit den Weihnachtskugeln, Julian.«

Er nickte und brachte ihr die offene Holzkiste. Vorsichtig nahm Greta eine Kugel in die Hand und legte sie in ihren Schoß. Und dann noch eine und noch eine.

Ganz zuunterst lag ein zusammengefalteter Zettel, von Kinderhand beschrieben, den sie laut vorlas:

 

 

 

 

 

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Ich schreib mich in dein Leben

Ich schreib mich in dein Leben

 

icxh schreib mich in dein LebenEmilie Weber

Regina, eine junge, hübsche Frau aus reichem Hause, überzeugt mehr oder weniger energisch ihre Eltern mit ihrem Wunsch nach persönlicher und finanzieller Unabhängigkeit. Sie beharrt darauf, ihren eigenen Weg gehen zu wollen, und sucht sich ihre Zukunft ausgerechnet über die Abendschule und die harte Arbeit in einem Callcenter. Dabei stolpert sie immer wieder über die Hindernisse und Unebenheiten zwischen den Aufgaben einer reichen Fabrikantentochter und dem holprigen Alltag einer arbeitenden und lernenden jungen Frau.

Zwischen diesen beiden Welten lernt sie auch den Bestsellerautor Viktor Tillmann kennen, einen Mann mit einer leidvollen und schweren Kindheit, die in seinem Wesen auch die eine oder andere Eigenart hinterlassen hat.
Das Durcheinander im Leben von Regina und Viktor spielt Schicksal und sorgt dafür, dass sich die beiden immer wieder begegnen.

E-Book: ISBN 978-3740713096  3,99 €

überall im Handel

 

 


Leseprobe

Da stand er, so nah und doch so fern, und unterhielt sich rege mit einem anderen Herrn, den sie nicht kannte. Zum ersten Mal sah sie ihn nicht so in sich gekehrt wie sonst. Seine Mimik ließ sein Gesicht strahlend und sehr lebhaft erscheinen. Wenn er nicht so ernst war, sah er noch interessanter aus. Ihr Herz hämmerte so stark gegen ihre Brust, dass sie befürchtete, ihre Freundinnen neben ihr müssten es hören. Sie verstand die Welt nicht mehr, weil sie nicht begreifen konnte, warum sie diesen Mann liebte, der ihr doch völlig fremd war. Am liebsten wäre sie zu ihm hingelaufen, doch ihr fiel kein Grund dafür ein, und lächerlich machen wollte sie sich auf keinen Fall. Womöglich erinnerte er sich ja gar nicht mehr an ihr Zusammentreffen. Daher blieb ihr nichts anderes übrig, als ihn zu beobachten. Immerhin schien er auch hier in der Stadt zu wohnen oder zumindest öfters hier zu sein, und das hob ihre Stimmung wieder ein wenig.

Eine Weile später sah Regina, wie eine elegante, rothaarige Frau auf den gutaussehenden Fremden zuging. Sie hakte sich sofort bei ihm ein und lehnte sich an ihn. Die Frau trug eine wunderschöne, dunkelblaue Abendrobe, die ihren makellosen Körper mehr freigab als verhüllte und deren Farbe vorzüglich mit ihren leuchtenden, kastanienroten Haaren harmonierte. Bisher hatte Regina geglaubt, dass ihr eigenes Abendkleid schon sehr freizügig war, aber das Kleid dieser Frau stellte es eindeutig in den Schatten. Der Schmuck, den sie trug, war sehr auffallend und atemberaubend und musste ein Vermögen wert sein. Diese Frau war so schön, dass alle anderen Damen daneben blass aussahen. Das einzige, das Regina an ihr störte, war ihr Mund. Die Lippen waren etwas zu groß und unnatürlich. Aber es war im Moment ja groß in Mode, sich die Lippen aufspritzen zu lassen. Regina konnte dies nicht verstehen, denn sie fand es nicht besonders anziehend. Enttäuschung kroch in ihr hoch, doch eigentlich hätte sie damit rechnen müssen, dass so ein schöner und eindrucksvoller Mann in einer Beziehung lebte. Die Frau genoss es sichtlich, an seiner Seite zu stehen.

Mit eifersüchtigen Blicken sah Regina zu den beiden hinüber. Dann drehte sie sich zu den anderen jungen Frauen in ihrer Gruppe um, die sich neben ihr amüsierten und sich lebhaft unterhielten.

„Kennt ihr die schöne Frau, die dort drüben steht?“, fragte sie schließlich ihre Begleiterinnen und deutete mit dem Kopf dezent auf die rothaarige Frau.

„Das ist Ruth von Anseln. Ich kenne sie nur aus unangenehmen Schlagzeilen in Zeitschriften“, antworte ihre Freundin Carmen.

„Wieso denn das?“, wollte Regina nun genauer wissen.

„Was soll ich sagen? Sie war ein sogenanntes Partygirl. Hat vor einigen Jahren den alten Friedbert von Anseln, einen Adligen, geheiratet. Der gute Mann ist verstorben, und sie hat von ihm sein Vermögen geerbt. Nun zeigt sie in der Öffentlichkeit jedem, wer und was sie ist. Man liest immer wieder, dass sie eine Möchtegernschauspielerin ist und wechselnde Männerbekanntschaften hat. Sie soll sehr eingebildet, kalt und äußerst unangenehm sein.“

„So sieht sie eigentlich gar nicht aus“, stellte Regina fest.

„Aber schau sie dir doch an. Das ist doch alles nur Fassade. Die ist bestimmt Dauerkundin beim Schönheitschirurgen, so puppenhaft wie die aussieht.“

Regina musste lächeln. „Carmen, wie sie leibt und lebt, immer geradeheraus mit ihrer Meinung. Das liebe ich so an dir.“

„Das möchte ich dir auch geraten haben“, schmunzelte Carmen. „Jetzt lass uns feiern, die Frau von Anseln ist doch uninteressant für uns.“

Regina stimmte der Freundin zu, sie wollte nicht auffallen. Trotzdem beobachte sie die beiden weiter. Sie wusste nicht, was sie von ihnen halten sollte. Der Mann erweckte nicht den Eindruck, dass er sich mit einer leichtfertigen Person umgab. Zumindest hatte er das auf der Party ihrer Eltern nicht getan. Andererseits konnte sie sich auch irren, sie sah ja mit ihren eigenen Augen, wie sich diese Ruth von Anseln zärtlich an ihn schmiegte, was er offensichtlich sehr genoss.

„Regina, hörst du denn nicht?“, riss Carmen sie aus ihren Gedanken.

„Was denn? Entschuldige, ich hatte nicht zugehört.“

„Wir haben uns gerade für nächstes Wochenende für einen Kurztrip nach Paris verabredet. Kommst du mit?“

„Ach, ich weiß nicht. Nein, eigentlich lieber nicht“, antwortete Regina.

„Was ist los mit dir? Ich habe ja verstanden, dass du im Gegensatz zu uns unbedingt arbeiten gehen willst“, beschwerte sich Carmen. „Aber am Wochenende ist doch nichts gegen ein bisschen Spaß einzuwenden!“

„Darum geht es nicht. Was willst du denn in zwei Tagen in Paris machen?“

„Wir wollen shoppen und abends ausgehen.“

„Macht das, Carmen, aber ohne mich. Einkaufen kann ich auch hier und ausgehen auch. Das ist mir zu viel Stress, nach Paris zu fahren wegen ein paar vergnüglichen Stunden.“

„Regina, mit dir ist wirklich nichts mehr anzufangen. Dann versauere eben hier, wenn du nicht anders willst.“

„Will ich auch nicht.“

Plötzlich verging ihr die Freude an diesem Abend. Traurig warf sie einen letzten Blick auf das schöne Paar und verließ das Fest, ohne sich noch einmal umzudrehen.

 

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Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum

Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum

 

Der Apfel fällt nicht weit vom BirnbaumFriedericke Godel

Gerhard Klotz, der größte Obstbauer im Bühlertal, versäumt es in seiner Sturheit, seinen Betrieb den Markterfordernissen anzupassen. Er tyrannisiert seine Familie und seine Landarbeiter mit seiner unbeugsamen Härte. Sein ältester Sohn Tobias verlässt nach einem heftigen Streit und der Uneinsichtigkeit des Vaters von einem Tag zum anderen das Gut. Den jüngsten Sohn Klaus, den Gerhard ohnehin nicht leiden kann, weil er das Klavier der Landwirtschaft vorzieht, verjagt er erbarmungslos. Auch die Bäuerin lässt Gerhard einfach im Stich, als diese schwer erkrankt.

Eine turbulente Geschichte um eine Familie, die einen Weg zwischen der Tradition und der Moderne suchen und finden muss. Dabei beleuchten die Turbulenzen und Geschehnisse rund um das Obstgut auch das dörfliche Leben, und natürlich kommen auch die Romantik und die Liebe nicht zu kurz.
E-Book ISBN 978-3-740706579     1,99 €
überall im Handel

 

 

 

 


Leseprobe

„Entschuldige, habe ich dir weh getan?“, fragte er auf hochdeutsch, und Jutta glaubte, ein leises Lispeln gehört zu haben.
„Noi, s′isch nix“, antwortete sie und lief so rot an wie eine Tomate in der strahlenden Mittagssonne.
Hans musste lächeln, er hatte ehrlich gesagt nicht viel verstanden und es störte ihn auch nicht. Nun wurde auch Jutta bewusst, dass sie aus Gewohnheit in den breiten Dialekt verfallen war und sich überhaupt keine Mühe gegeben hatte, vernünftig zu reden.
„Darf ich dich zu einem Spaziergang einladen?“, wollte Hans spontan von ihr wissen, als sie gemeinsam den Laden verließen und auf die Straße traten. Jutta wurde verlegen, sie sollte sich ja in Kürze verloben, und es schickte sich nicht, mit einem anderen Mann spazieren zu gehen.
Andererseits war das Angebot so verlockend, dass sie es schon gerne angenommen hätte. Was war denn schon dabei, sie tat ja nichts Unanständiges.
Doch sie wusste, dass das Risiko groß war, gesehen zu werden, und dass sich ihr
Bräutigam brüskiert fühlen konnte.
Dennoch verabredete sie sich mit Hans für den Nachmittag hinter dem Blockhaus seiner Eltern, sie konnte einfach nicht anders. Sie machten einen ausgedehnten Spaziergang durch die Felder und wanderten lange Zeit am Waldrand entlang. Dabei unterhielten sie sich angeregt und Jutta lauschte seinen spannenden Erzählungen.
So viele bunte Erlebnisse aus der Stadt, die sie sich nicht hatte vorstellen können und die sie immer wieder zum Lachen brachten! Hans sah in ihr glückliches Gesicht und in ihre strahlenden, funkelnden Augen. Er hätte sie am liebsten umarmt, aber er wollte sie nicht erschrecken.
„Ich muss nach Hause“, sagte sie plötzlich aus heiterem Himmel, mitten in die verzauberte Stimmung hinein.
„Ja“, antwortete Hans verständnisvoll. Ganz sacht zog er sie an sich und küsste sie zart und zurückhaltend. Er wusste, dass es ein Abschied war.
Sie hatte ihm zuvor erzählt, dass sie heiraten würde, und er spürte, dass es aussichtslos war, sie umzustimmen. Es war Liebe auf den ersten Blick, doch das zarte Pflänzlein wurde im Keim erstickt. Jutta lief traurig nach Hause; zum ersten Mal in ihrem Leben hatte sie das Gefühl der Liebe entdeckt. Sie spürte das Kribbeln und die Sehnsucht, und das nur wenige Minuten nach ihrem wortlosen Abschied.

 

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Der Schatten im Mond

Der Schatten im Mond

Der Schatten im MondBarbara Herrmann

Nach dem Tod ihrer Mutter findet Jolanda in deren Nachlass eine Schatulle mit Briefen und Fotos. Ihre vermeintlich heile Welt stürzt ein, als sie erfährt, dass ihre verstorbenen Eltern gar nicht ihre leiblichen Eltern waren. Sie begibt sie sich auf die Reise in den Schwarzwald und nach Sizilien, um die Familiengeheimnisse ihrer Stiefmutter zu lüften und ihre richtigen Eltern zu finden. Bei ihrer Suche tun sich ungeahnte menschliche Abgründe auf, die sich noch über Jahrzehnte bis in die Gegenwart auswirken.

Ein bewegender Roman über eine Familie, die den strengen und althergebrachten Werten sowie den Vorurteilen gegenüber den italienischen Gastarbeitern zu Beginn der Sechzigerjahre Tribut zollen muss, auf diese Weise ihren inneren Zusammenhalt verliert und letztendlich daran zerbricht.

ISBN – Print 978-3-740712594     9,99 €
ISBN E-Book 978-3-740736705    5,99 €
überall im Handel

 

 

 

Leseprobe:

 

Jolandas Herz klopfte ihr bis zum Hals. Was würde sie hier antreffen? Und was war geschehen, dass ihre Mutter ihre Familie verschwiegen hatte? Aber Florentine war ja gar nicht ihre Mutter. Dieser Gedanke, mit dem sie sich erst anfreunden musste, schmerzte sie ganz besonders. Sie hatte eine Frau als Mutter geliebt, die mit ihr eigentlich gar nichts zu tun hatte. Oder doch irgendwie? Wer war ihre leibliche Mutter, und warum hatte sie sie weggegeben?

Plötzlich stand ein ungepflegter Mann mittleren Alters vor ihr. „Suchen Sie jemanden?“, fragte er unwirsch. Er musste wohl aus dem Haus herausgekommen sein. Jolanda hatte es gar nicht bemerkt, so sehr war sie in ihre Gedanken verstrickt gewesen.

Spontan streckte sie ihm die Hand hin. „Ich bin Jolanda Mayer, guten Tag. Gehören Sie zur Familie Abele?“

„Ich kenne keine Leute namens Mayer. Was wollen Sie von uns?“

Ohne darauf einzugehen, stellte sie eine Gegenfrage: „Wissen Sie, wer Florentine ist?“ Der Typ hatte so eine negative Ausstrahlung, dass sie Mühe hatte, ihre Abneigung zu verbergen.

„Unser Vater hat uns einmal erzählt, dass er zwei Schwestern hat, er weiß aber nicht, wo sie abgeblieben sind. Mein Opa hat sie irgendwann aus dem Haus gejagt.“

„Ihr Opa hat seine Töchter verjagt?“

„Na und! Wird wohl seine Gründe gehabt haben. Sie können deshalb auch gleich wieder verschwinden.“

Der Mann machte kehrt und wollte wieder ins Haus zurück, doch Jolanda rief ihm hinterher: „So warten Sie doch. Ich bin extra hierhergekommen, um etwas über die Familie zu erfahren. Florentine ist vor Kurzem gestorben.“

Sie fasste sich vor Wut an die Stirn. Dieser ungehobelte Kerl wusste tatsächlich, wie die beiden Schwestern seines Vaters hießen, wusste eventuell auch, was geschehen war, und schickte sie einfach mit wenigen lapidaren Worten weg.

Er kam ein paar Schritte zurück und lachte zynisch. „Ich kann Ihnen nicht helfen. Wenn sie tot ist, dann lassen Sie doch die Geister ruhen. Mein Vater ist alt und krank, den müssen Sie wegen so etwas nicht aufregen.“

Jolanda trat auf ihn zu und wollte ein letztes Mal versuchen, ihn zu erweichen. Krampfhaft kämpfte sie deshalb dagegen an, nicht versehentlich die harte Geschäftsfrau herauszuhängen, die in der Lage war, bockigen Widerstand zu brechen. In diesem speziellen Fall war das vermutlich nicht der richtige Weg.

„Ich möchte Ihren Vater wirklich nicht aufregen, sondern würde mich freuen, den Bruder meiner Mutter kennenzulernen und vielleicht etwas über ihre gemeinsame Jugend oder die andere Schwester zu erfahren. Bitte!“

Jolandas Augen bettelten ihn an, und am liebsten hätte sie ihn am Arm gefasst, aber das wagte sie nun doch nicht. Der Mann stank nämlich aus allen Poren, selbst auf drei Meter Entfernung.

Sie redete einfach weiter. „Ich wusste bis vor Kurzem gar nicht, dass meine Mutter eine Schwester hatte, und von einem Bruder ahnte ich bis heute nichts. Das ist doch eigentlich etwas Schönes, wenn man seine Familie findet. Bitte helfen Sie mir.“ Jolanda hielt inne, denn eigentlich war diese Bettelei um Anstand überhaupt nicht ihr Ding. Aber sie musste alle Register ziehen. „Wie heißen Sie denn eigentlich, und was fehlt Ihrem Vater?“, versuchte sie ihn abzulenken.

Innerhalb einer Sekunde veränderte sich plötzlich sein Verhalten, und sein Gesicht verzog sich zu einer hässlichen, jähzornigen Fratze, während er mit erhobener Faust auf sie zukam.

Als er vor ihr stand, schnappte er ihre Jacke unterhalb des Kragens und drehte mit der Hand am Stoff, bis das Gewebe eng wurde und Jolanda die Luft zum Atmen nahm. Dann kam er ihr mit seinem Kopf und somit auch mit seinem penetranten Mundgeruch ganz nahe, sodass der Gestank und die Atemnot Panik und Angst in ihr aufsteigen ließen. Seine hervorstechenden, kalten Augen taten ihr Übriges.

„Hier auftauchen und auf heile Familie machen wollen, das ist nicht, Lady. Eher bring ich euch um. Lasst uns in Ruhe, uns haben ohnehin alle beschissen. Verschwinden Sie, aber flott!“, schrie er. Dann ließ er sie los, stieß sie mit einer kraftvollen Bewegung weg, drehte sich um und lief zurück zum Haus.

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So nah kann nur der Himmel sein

 

So nah kann nur der Himmel seinSo nah kann nur der Himmel sein – Barbara Herrmann

Zwei Familien mit dem Zufall auf dem Weg des Lebens.
Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir nicht verstehen… Die Geschichte zweier Schicksale, die sich vor der prachtvollen geschichtsträchtigen Kulisse der Kurstadt Baden-Baden begegnen:

Renate steht vor dem Nichts: Ihr Mann wendet sich von ihr ab, weil er mit Ihrer aussichtslosen finanziellen Situation nicht klarkommt. Doch dies bleibt nicht der einzige Schicksalsschlag, den sie einstecken muss. Im Kampf um ihre Existenz erkennt Renate schließlich die Magie des Zufalls und die starke Kraft zwischen Himmel und Erde.

Zu beziehen beim Buchhandel und Internetbuchhandel

 

E-Book:  9783740705879 – Amazon.de sowie Thalia.de und viele weitere Shops  5,99 €

Leseprobe

Er musste sich ganz nah an ihr Gesicht beugen. Ihre Stimme war so leise, dass er sie kaum verstehen konnte. Zärtlich nahm er ihre eiskalte Hand.
„Mir ist eine Frau begegnet auf einer hell erleuchteten Straße“, erzählte Viola.
„Hat sie etwas zu dir gesagt?“, fragte er.
„Ja. Sie hat mich angelächelt und mir gesagt, dass es sehr schön ist, da hinten im Licht.“
Gero kamen die Tränen, und er versuchte, sie mit aller Macht und aller Kraft zu verbergen.
„Wir haben uns auf eine Bank gesetzt, und sie hat ihren Arm um mich gelegt. Es dauerte eine Weile, bis sie mit mir sprach.“
Viola machte eine kurze Pause, bevor sie weiter sprach. „Sie sagte zu mir: ‘Ich habe eine Tochter. Sie ist ungefähr so alt wie Sie. Sie ist da unten, da, wo Sie jetzt noch sind, und sie malt genau so gerne wie Sie. Aber ihr geht es nicht gut. Sie muss seit Jahren kämpfen auf dieser Welt, immer wieder kämpfen, und ich kann ihr nicht mehr helfen. Sagen Sie Bescheid, bevor Sie gehen, dass sich jemand um mein Kind kümmern soll.’ Ja, so sagte sie zu mir.“
Gero spürte es genau. Dieses Gespräch war für Viola sehr anstrengend.
„Verstehst du, was sie meinte?“, fragte Viola.
„Was denkst du denn, was sie gemeint hat?“, fragte Gero zurück.
Er konnte das Ganze nicht verstehen. Es war ihm zu mystisch, und damit war er noch nie in seinem Leben konfrontiert worden. Es war nicht seine Welt.
„Ich soll Bescheid sagen. Sie ist auch eine Frau, die gerne malt“, wiederholte Viola sehr nachdenklich.
Gero sah, wie seine Schwester sich ernsthaft Gedanken über ihren Traum machte. Dann schwiegen sie beide für eine Weile.
„Gero, ich denke, du wirst eines Tages eine Frau treffen, die deine Hilfe braucht. Bewahre meine Galerie für sie auf und helfe ihr in ihrem wahrscheinlich schweren Leben“, bat Viola.
„Das mache ich gerne“, versprach er ihr.
„Ich habe mich oft gefragt, was mich dazu getrieben hat, trotz meiner schweren Krankheit eine Galerie zu eröffnen. Jetzt ist alles klar und deutlich. Nichts ist umsonst, alles hat seinen Grund“, erklärte sie ihm mit letzter Anstrengung.

Zu beziehen beim Buchhandel und Internetbuchhandel

E-Book:  9783740705879 – Amazon.de sowie Thalia.de und viele weitere Shops

Rezension:

Rezension:

Kurzbeschreibung:

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir nicht verstehen, dennoch gibt es sie. Die Geschichte zweier Schicksale, die sich vor der prachtvollen, geschichtsträchtigen Kulisse der Kurstadt Baden-Baden begegnen. Renate steht vor dem Nichts: Ihr Mann wendet sich von ihr ab, weil er mit ihrer aussichtslosen finanziellen Situation nicht klarkommt. Doch dies bleibt nicht der einzige Schicksalsschlag, den sie einstecken muss. Im Kampf um ihre Existenz erkennt Renate schließlich die Kraft zwischen Himmel und Erde. Auch Gero macht eine schwere Zeit durch. Seine Schwester Viola stirbt und gibt ihm das Vermächtnis mit auf den Weg, eine Frau zu finden, die seine Hilfe braucht. Doch wie kann Gero diese Frau finden? Wann und unter welchen Umständen wird er ihr begegnen – zufällig oder doch nicht nur zufällig.

Meine Meinung:

Renate hat ihre eigene Firma in den Sand gesetzt und hat eine Menge Schulden. Sie versucht einen neuen Job zu bekommen, doch das ist in ihrem Alter nicht leicht. Ihr Mann wendet sich von ihr ab und fängt etwas mit einer anderen Frau an. Als Renate das erkennt, begreift sie dass sie ihr Leben ändern muss und die Dinge anpacken muss. Doch schon bald folgen die nächsten Schicksalsschläge in Renates Leben. Viola erfährt dass sie an Krebs leidet, sie will keine Therapie und erst recht will sie ihrem Bruder nichts von ihrer Krankheit erzählen. Doch Gero sorgt sich um seine Schwester und erkennt dass mit ihr etwas nicht stimmt.

Zu diesem Buch kam ich eher durch Zufall, der Hnb-Verlag fragte bei mir an ob ich nicht ein Buch aus ihrem aktuellen Katalog rezensieren möchte. Schnell entschied ich mich für dieses Buch hier. Mich hat interessiert in wie weit die Stadt Baden-Baden einen Einfluss auf das Buch hat. Da ich nicht weit weg wohne, fand ich das sehr interessant.
Schade allerdings dass die Bilder im Buch nur schwarz-weiß sind.

Am Anfang fiel es mir schwer ins Buch hinein zu kommen, ich kam mit Renates Verhalten am Anfang nicht zu recht. Aber dieses ändert sich zum Glück schnell, sie rafft sich auf und nimmt ihr Leben wieder in die Hand. Mit der Hilfe ihrer Mutter kann sie es schließlich neu ordnen.
Christian ist ein Arsch, sorry für die Ausdrucksweise. Aber ich mochte ihn von Anfang an nicht. Er will alles haben und sich alles offen halten. Und Karin ist ein richtiger Drache und noch mehr verwöhnt wie Christian.

Viola ist ein toller Charakter, sie erhält eine schreckliche Nachricht, aber sie lässt sich nicht unterkriegen sondern steht zu ihrer Entscheidung und versucht sich schließlich auch an einem beruflichen Neuanfang. Sie weiß genau was auf sie zukommt, aber sie jammert nicht sondern nimmt alles so hin wie Gott es ihr auferlegt. Viola ist ein sehr gläubiger Mensch.
Ihr Bruder Gero führt das Familiengeschäft, er und seine Schwester stehen sich sehr nahe und wohnen im gleichen Haus. Sie haben beide keine eigene Familie und vielleicht sind sie sich deswegen so nahe.

Ich war überrascht von der Geschichte oder besser gesagt den zwei Geschichten hinter dem Buch und wie sie irgendwann zu einer Geschichte werden.
Am Anfang hab ich mich schwer getan, aber ich hab dann sowohl mit Renate, Viola, also auch Gero gelitten. Ständig schlägt das Schicksal neu zu und bringt dann doch wieder neue und hoffnungsvolle Wege hervor.
Stellenweise hat mich die Geschichte richtig berührt und mitgenommen.

Fazit:

Am Anfang war ich skeptisch und hab etwas gebraucht in das Buch rein zu kommen. Aber dann gefiel mir das Buch doch recht gut und ich konnte flüssig durch lesen. Deswegen gibt es für dieses Buch 4 Sterne.
Rezension: http://nadines-lesewelt.de

 

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Planstrasse 146 – Die Straße meines Lebens

Planstr. die straße meines LebensPlanstraße 146 – Die Straße meines Lebens – Barbara Herrmann

Autobiografischer Roman
Die Autorin ist auf der Suche nach sich selbst und will deshalb alles über das Schicksal ihrer Familie, die aus dem Kraichgau in Baden stammt, erfahren.
Im Vordergrund stehen ihre Mutter Emma sowie ihre Großmütter Friedericke und Elisabeth. Warum haben Friedericke und Emma zu ihren dominanten Männern aufgeblickt, diese mit Gehorsam bedient und bis zu ihrem Lebensende ertragen? Wie war das damals auf dem Land, als man der jungen Friedericke ein uneheliches Kind weggenommen und sie mit dem Bauernsohn Jakob verheiratet hat? Warum hat sie ihr schweres und tristes Leben mit zwei Ehemännern und elf Kindern hingenommen und nie rebelliert? Ein zugleich einfühlsamer und spannender Roman, der die Lebenswege dreier Generationen im Rahmen der Geschichte eines ganzen Jahrhunderts nachzeichnet.
E-Book – ISBN 9783740706814 – Amazon.de  sowie Thalia.de und viele weitere Shops  6,99 €

 

Leseprobe

Vater Johann, ein alt aussehender, abgearbeiteter Mann schlürfte mit seinen kaputten, derben Schuhen auf dem Kopfsteinpflaster der Gasse entlang. Sein Rücken war gebeugt, als würde er einen Sack Kartoffeln tragen, das Gesicht vom Wetter gegerbt und faltig, die Haare lockig und zurechtgestutzt. Dabei war er gerade erst fünfundvierzig Jahre alt. Seine Kleidung war erbärmlich, die Hose aus grauem Wollstoff bereits zigmal geflickt und ausgebessert. Der kleine Stehkragen an seinem alten Hemd war dünn und abgescheuert. Die Schildmütze trug er in der Hand, denn trotz der Kälte schwitzte er mittlerweile vom schnellen Gehen. Sein Nachbar, der August, war vor ein paar Minuten zum Großbauer Fritz Ockert gerannt gekommen und hatte hektisch nach ihm gerufen: „Johann, kumm schnell, die Magdalena, des Kind kummt, s’isch soweit.“

Schnell rannte er die Staffeln empor und riss die Tür seines Häuschens auf. Schon bevor er die Schlafstube erreicht hatte, hörte er den ersten Schrei des Kindes, seines sechsten Kindes. Er öffnete die Tür der Schlafstube, seine Frau Magdalena lag im Bett und hatte das kleine Bündel, das in eine Decke eingewickelt war, im Arm.

„S‘isch e Medle“, sagte sie leise. „S‘isch gsund un soll Friedericke heiße“, beendete sie ihren Satz.

Johann stand immer noch vor dem Bett und drehte seine Mütze in der Hand. Schon wieder ein Kind, dachte er, schon wieder ein hungriges Maul.

 

Rezensionen/Presseartikel

Zitat:
…vielen herzlichen Dank für die Überlassung eines Belegexemplars. Als „Oberöwisheimer“ und „Mitautor“ bei der Ortschronik „1200 Jahre Oberöwisheim“ war ich natürlich sehr interessiert und habe mich sofort nach Erhalt dieses Exemplars „eingelesen“. Dieses Buch finde ich ganz toll und gratuliere für die sehr authentische Darstellung einer dörflichen Familiensaga !  Herzliche Grüße aus Kraichtal
Zitat Ende Quelle:Anton Schneider

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Oma dreht durch

Oma dreht durchOma dreht durch – Barbara Herrmann

Oma Gerda hat die Nase voll. Sie hat ihren starrköpfigen, dominanten Ehemann überlebt und ist sich sicher, dass es jetzt nur noch besser werden kann. Doch anstatt endlich das Leben neu zu beginnen, wird sie von ihrer Tochter und deren Kindern eingespannt.

Als sie eines Tages das Zimmer ihrer Enkelin aufräumt, stolpert sie über deren E-Gitarre. Wie unter Zwang legt sie los und lässt die Rock ’n‘ Roll-Zeit ihrer Jugend wiederauferstehen.

Der kurze Ausflug in die Vergangenheit legt in Gerda einen Schalter um. Sie erinnert sich an das alte Motorrad ihres Mannes, das immer noch im Schuppen steht, packt einen Koffer und ihre winzige Rente und verlässt das Haus. Eine abenteuerliche Reise beginnt, in deren Verlauf Gerda sogar eine Musikerkarriere startet …

Ein turbulenter und kecker Roman über das Leben der alten Junggebliebenen – erzählt mit einem Augenzwinkern und einer großen Portion Humor.

 

Zu beziehen über den Buchhandel und Online-Buchhandel.

Print: ISBN 978-3740705633  9,99 €
E-Book: ISBN 978-3740792350   5,99 €

Amazon.de sowie Thalia.de und viele weitere Shops

Leseprobe:

Endlich war es so weit. Es konnte losgehen. Das Motorrad war fertig und schnurrte wie ein Kater. Ab heute würde Gerda frei sein, frei wie ein Vogel im Wind.
Es war Vormittag, ihre beiden Enkelinnen waren in der Schule und ihre Tochter in ihrer Kanzlei. Wie immer um diese Zeit war sie allein im Haus. Und auch wie immer musste sie jetzt eigentlich im ersten Stock die Schlafzimmer aufräumen und die Betten machen. Schließlich war sie ja so etwas wie die Haushälterin ihrer Familie.
Aber heute war alles anders. Ihr Herz klopfte bis zum Hals, als sie das Zimmer ihrer Enkelin Josefine betrat. Doch anstatt mit der Arbeit zu beginnen, griff sie nach der Gitarre, die wie üblich in der Ecke stand. Genau vor drei Monaten, an einem Montag, hatte sie auch hier gesessen und sich mit der Gitarre in der Hand zum ersten Mal nach mehr als einem halben Leben der Unterdrückung so richtig wohl gefühlt.
Und genau wie vor eben diesen drei Monaten griff sie auch jetzt in die Saiten, entlockte der E-Gitarre die ersten Töne und schmetterte mit lauter Stimme: „It’s now or never, come hold me tight. Kiss me my darling, be mine tonight …“
Am Ende des Liedes kullerten dann ein paar Tränen. Die Gefühle überwältigten sie einfach, denn heute begann ein neues Leben, ein Leben, von dem sie keine Ahnung hatte, wie es ablaufen würde. Ein Leben, das ebenso beschissen wie phantastisch sein konnte. Mit fünfundsechzig ging es ab in die Zukunft.
Energisch stellte sie die Gitarre an ihren Platz, ging nach unten in ihr Zimmer, zog den gepackten kleinen Reisekoffer, der noch aus den Fünfzigern stammte, unter dem Kleiderschrank hervor und stellte ihn an die Tür. Raus aus dem Kleid und rein in die Lederkluft ihres verstorbenen August, Motorradmütze und Motoradbrille auf, Handtasche umgehängt, ein letzter Blick in den Spiegel – und dann rauf auf die Maschine und ab ging die Post.
Zwei Stunden lang fuhr sie über die Dörfer und Landstraßen in Richtung Norden, bis sie an einer großen Tankstelle den ersten längeren Stopp machte. Mit einem Kaffee und einem Brötchen setzte sie sich an einen Tisch, an dem bereits ein älterer Herr seine Suppe löffelte.
Nachdem er Gerda eine Weile aus den Augenwinkeln betrachtet hatte, fragte er voller Neugier: „Na, als Motorradbraut unterwegs?“„Klar doch. Und du? Etwa als Rentner?“
„Natürlich, das sieht man doch. Aber auch ich habe eine Motorradhose an. Schau!“ Er erhob sich kurz und drehte sich vor ihr einmal um die eigene Achse. „Ich bin Abraham. Wie heißt du, und wo fährst du hin?“
„Ich heiße Gerda. Und ich bin auf dem Weg nach …“ Gerda erschrak vor ihren eigenen Worten. „Wenn ich ehrlich sein soll, ich weiß nicht, wohin ich fahre. Ich war so frech und bin vor meiner Familie getürmt.“
„Hey, das klingt aber spannend. Wie kommt es, dass du dich dazu entschlossen hast?“
Gerda überlegte einen Moment und begann, herzhaft zu lachen. Als sie sich wieder beruhigt hatte, rutschte sie näher zu ihrem Nachbarn und erzählte ihm: „Ich habe die E-Gitarre meiner Enkelin genommen, It’s now or never geschmettert, mich an meine Jugend und meine Freiheit erinnert und dann beschlossen, meine vierzigjährige Knechtschaft hinter mir zu lassen und noch einmal neu durchzustarten.“
Abraham starrte sie mit offenem Mund an. „Du bist Musikerin?“
„Wenn du das so nennen willst. Ich habe früher in einer Band gespielt und natürlich auch gesungen. Ich war wirklich ein verrücktes Huhn und habe die Zeit des Rock ‘n’ Roll geliebt.“
„Wow, was für eine nette Begegnung. Ich bin auch einer aus dieser Zeit und auch ein Musiker.“
„Und wo wohnst du?“
„Ich lebe in Berlin.“
Gerdas Augen verdunkelten sich, und sie senkte den Kopf. Jetzt musste sie doch ein paar Tränen verdrücken.
„Hast du was, Gerda?“
„Ne, ich habe nur einen sentimentalen Moment. Ich hätte dir gerne gesagt, dass ich in den Urlaub oder eben auch nach Hause fahre. Aber nichts von alledem stimmt. Ich habe kein Zuhause, und ich weiß auch noch nicht, wohin ich fahre.“
Abraham legte ihr den Arm um die Schulter. „Komm, Gerda, fahre hinter mir her in die Hauptstadt. Da pulsiert das Leben, und das ist der richtige Ort, um ein neues Leben zu beginnen.“
„Meinst du?“
„Ja, das meine ich. Ich bringe dich schon vorübergehend irgendwo unter und helfe dir, wo ich kann.“
„Na dann! Auf nach Berlin.“ Gerda lachte über das ganze Gesicht und zog ihre Motorradjacke an.
Abraham folgte ihr, und gemeinsam düsten die beiden Richtung Berlin.

 

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